Vor wenigen Wochen ist ein Aufgraggeber beim Kampf um seine Immobilie verstorben. Der Familienvater hat mich und mein Team über ein Jahr lang beschäftigt. Er zeigte eine besonders grosse Beratungsresistenz und hatte einen hohen 5-stelligen Betrag an seine Hausbank bezahlt, damit die Zwangsversteigerung zwei Mal kurz vor dem Termin eingestellt wurde.
Meine Hinweise, dass seine Bank zukünftig keine andere Wahl hätte als den Termin durchzuziehen, hatten ihn nicht interessiert. Seine Bank hatte bereits zwei Mal nach Paragraph 30 ZVG eingestellt und war nun gezwungen das Verfahren fortzuführen. Zwischenzeitliche Verhandlungen scheiterten mehrfach, weil die Bank keinesfalls nachgeben wollte. Ich wies den Eigentümer darauf hin, dass eine Rettung nur realistisch sei, wenn er das Haus aus der Versteigerung als Höchstbietender ersteigern würde.
Doch dieser Weg kam für ihn absolut nicht in Frage. Der Eigentümer gab seine gesamten Rücklagen dafür aus, den Termin vorab zu stoppen, ohne das die Bank ein Einlenken signalisierte. Ich grübelte lange, weshalb ein Mensch soviel Geld dafür zahlt, damit seine Notlage nicht publik wird. Er hatte eine riesige Angst davor, dass der Termin in der lokalen Presse erwähnt wird. Seinen plötzlichen Tod haben wir von den Familienangehörigen erfahren. Die Familie war überrascht als wir erzählten, weshalb wir mit dem Mann in Verbindung standen. Man war sich nicht bewusst, dass der Vater bzw. der Ehemann mit dem Familienhaus in der Zwangsversteigerung war. Der Familienvater hatte tatsächlich alles versucht, um diese Notlage vor seiner Familie geheim zu halten.
Exkurs aus meinem Ratgeber: Generell empfinden wir es als eine gute Lösung durch Zahlungen an die Hausbank den Versteigerungstermin hinauszuzögern. Die Bank kann zwei Mal nach Paragraph 30 ZVG das Zwangsversteigerungsverfahren für 6 Monate einstellen. Das bedeutet jedoch nicht das Betroffene das letzte Hemd geben sollen. Wenn die Forderungen der Bank absurd hoch sind, wie in diesem Fall, sollte von dieser Vorgehensweise abgesehen und das Geld sinnvoller eingesetzt werden. Das Problem in diesem Fall war aber nicht alleine die Bank:
Immer wieder erlebe ich, dass ein Teil einer Familie versucht ist, die schlimme Lage geheim zu halten. Der riesige Druck der dann auf den handelnden Personen lastet, hat hier bis zum Tode geführt. Der gute Mann war gerade seit 8 Monate in Rente.
Jan Brendel ist seit 16 Jahren im Zwangsversteigerungsmarkt tätig. Er ist Referent/Dozent für den deutschen Anwaltsverein und den IVD zu den Themen Zwangsversteigerungs-Recht und Zwangsversteigerungen. Er ist Autor zweier Ratgeber zum Thema Zwangsversteigerungen für Betroffene und ist bekannt aus dem WDR und DeutschlandFunk.



